Pressemitteilung
Ulm, den
10.4.2012
Vorbesichtigung
für die Medien: Donnerstag, 19. April
2012, 11 Uhr
Stella Hamberg
22.4. bis 10.6.2012 Eröffnung:
Samstag, 21. April 2012, 19 Uhr
Wer die „Berserker“ von Stella
Hamberg einmal gesehen hat, wird sie so
schnell nicht wieder vergessen. Aber
auch ihre neuen Bronzeplastiken – junge
Frauen und Männer, durch Haltung und
Kleidung der Jetzt-Zeit zuzuordnen,
schaffen einen besonderen Mythos.
Ergänzt wird die Ausstellung durch
Bildhauerzeichnungen und
Prozessfotografien. Zur
Ausstellungseröffnung am Samstag, dem
21. April um 19 Uhr spricht Christoph
Tannert vom Künstlerhaus Bethanien in
Berlin.
Deutschlands derzeit
spannendste Bildhauerin wird sie
genannt. Wie eine „Mischung aus Form und
Furor“ beschrieb Silke Müller die
Arbeiten von Stella Hamberg vor nicht
allzu langer Zeit in der Zeitschrift
„Stern“. Sie knete ihre Energie in das
Material und hole dann die „Ich-Anteile“
mit dem Skalpell wieder heraus. Diese
Aussage beschreibt wesentliche
Charakteristiken der Arbeiten der 1975
in Friedberg/ Hessen geborenen
Bildhauerin. Die Bürgin für die
Zeitgenossenschaft ihrer Werke ist sie
selbst, ihr körperlicher Einsatz, ihre
Authentizität und ihr direkter Zugriff.
Das hört sich so selbstverständlich an,
ist es aber nicht, wenn wir das Material
betrachten, mit dem sie arbeitet. Bronze
galt unter den zeitgenössischen
Künstlern lange Zeit als verpönt, als
Material der Repräsentation, der
wohlfeilen Standbilder in den
Fußgängerzonen. Sich mit diesem Material
auseinanderzusetzen, hat die Künstlerin
gereizt. Denn Bronze hat den Charakter
von etwas „Ewigem“, gegen den sie mit
ihrer Dynamik und Bewegung kompromisslos
anschafft.
Stella Hambergs
Figuren stehen sockellos auf dem
Fußboden. Sie teilen mit dem Betrachter
die gleiche Ebene. Die Figuren „Der
Freund“, „Das Mädchen“ und „Der Fremde“,
die sie im Kunstverein Ulm zeigt, sind
nur wenig größer als der Durchschnitt
deutscher Männer und Frauen. Sie sind
auf Augenhöhe mit ihrem Gegenüber. Diese
neuen Bronzen wirken nicht heroisch,
auch nicht elegant, obwohl sie teilweise
über geglättete Oberflächen verfügen.
Mit den bewusst von der Künstlerin
eingesetzten Disproportionen an Köpfen,
Händen und Füßen wirken sie kraftvoll,
aber durchaus unvollkommen. So wie
Unvollkommenheit einen Menschen eben
lebendig, interessant und zum Individuum
macht.
Stella Hambergs Figuren
stehen in ihrer Verbindung von
Archaischem und Zeitgenössischem
zwischen Realität und Fiktion. Wie auch
Carl André sucht Stella Hamberg in der
Kunst keine Information, sondern
Erfahrung. Atmosphäre, Duft, Temperatur,
Stimmung – das sind durchaus Begriffe,
die zu der unabhängigen, traumähnlichen
Realität ihrer Werke passen. Das Licht
auf den teils glatten, teils bewegten
Oberflächen tut ein Übriges. Das Auge
des Betrachters streift von der
Wahrnehmung der Kleidung im Detail zur
Gesamtfigur und ihrem Ausdruck der
Innerlichkeit und des Entrücktseins. Und
damit wechselt der Eindruck von
zeitgenössischem Ganzporträt zu einem
Psychogramm jugendlicher Menschen,
springt von der Oberfläche zu ihrer
inneren Verfasstheit. „Ist man nur,
solange man etwas tut oder gibt es auch
ein Sein jenseits der Tat?“ diese Frage
markiert den Übergang von Stella
Hambergs „Berserkern“ zu den neuen, mehr
verinnerlichten Figuren.
Mit der
30teiligen Arbeit „out of season“ nimmt
die Künstlerin den Betrachter mit hinein
in den Prozess der Schöpfung. Sie selbst
kommentiert diese „Bildserie einer
Aktion vom März 2011“ folgendermaßen:
„.Ein schwarzer Raum, unter Skimasken
verborgene Akteure, Gips, Wasser,
schwarze Farbe. Eine computergesteuerte
Digitalkamera macht alle 10 Sekunden ein
Bild. Die Aktion bestand darin, mit Gips
und schwarzer Farbe ‚zweckfrei‘
umzugehen. (…) Bildelemente und
ästhetische Formen entstanden ohne
bewussten Gestaltungswillen, zufällig
und verschwanden wieder im Verlauf der
Handlung. Die Aktion führte nichts als
sich selbst, ihren performativen
Charakter auf und vor und wurde durch
diese fast groteske Situation und
Ungestalt zum autonomen, episodenhaften
Bild – zu einer ausschnitthaften Matrize
des Schaffensprozesses als solchem.“
Biografie Stella Hamberg 1975
*Friedberg, Hessen; Ausbildung als
Steinbildhauerin; 1998– 2004
Hochschule für Bildende Künste Dresden,
2004 – 2006 Meisterschülerin bei Prof.
Martin Honert, 2006
Meisterschülerabschluss; lebt und
arbeitet in Berlin. Preise 2006
Karl Schmidt-Rottluff Stipendium
2001 Skulpturenwettbewerb Dresden
Einzelausstellungen (Auswahl) 2011
creature, Mönchehaus Museum Goslar
2010 Ghost light, Galerie EIGEN + ART
Berlin 2009 Reset, Galerie EIGEN +
ART Berlin 2008 liebe Hölle, Galerie
EIGEN + ART Leipzig 2006 Lawrence –
end of time, Galerie Diskus, Berlin
courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig/Berlin |

Stella Hamberg Der Freund,
2010 Foto: Uwe Walter, Berlin
courtesy Galerie EIGEN + ART
Leipzig/Berlin |